Unterwegs

Niederlande #1: Die Reise beginnt. 435,6 km

Das Ziel: Amsterdam

Aber wie? In Dänemark hatten wir uns für eine halbe Rundtour entschieden und waren mit dem Auto bis an die Grenze gefahren, um auf diesem Weg auch wieder nach Hannover zu kommen.
Urlaubstage sind rar, also war die Fahrt nach Amsterdam und wieder zurück schon von Anfang an „raus“. Es standen also zur Debatte: erneut an die Grenze fahren und mit dem Auto wieder zurück, oder mit dem Fahrrad hin und „irgendwie“ zurück. „Irgendwie“ waren dann: Zug oder Bus. Ich muss zugeben: Ich bin pro Klimaschutz, ÖPNV und für Progression. Aber ich hasse es, Zug zu fahren. Es stresst mich („ja hier sorry, alle Sitzplatzreservierungen sind leider weg, schlagt Euch bitte um die 250 Sitzplätze, liebe 800 Fahrgäste…“). Und dann noch mit einem Fahrrad aus dem Ausland, mehrmals Umsteigen: no way. Also gab es nur noch den FlixBus als Option. Eine kurze Recherche ergab: Strom, WiFi, etwas über 5 Stunden Fahrtzeit und ein Fahrrad hat ein Bekannter auch schonmal mitgenommen. Inkl. Fahrrad, Platzreservierung und irgendwas noch: knappe 40 Euro pro Person. Da kann man nix sagen. Der Rückweg war also auch Save.

Der Weg

07.06.23, 19:40 Uhr

Schlüpper, Taschenlampe, Ersatzhose… die Augen etwas zugekniffen, hake ich gedanklich meine Packliste im Kopf zum mindestens dritten Mal ab. Vertrauen ist gut, leichter Kontrollzwang ist besser, denke ich mir und notiere kurz meine kleineren To-Do’s für morgen früh auf einem Briefumschlag in meinem Büro.

Um anschließend die erste Trinkflaschenfüllung vorzubereiten

LIDL, Lion, Landjäger – oder: the good the bad the ugly

08.06.23, 07:42 Uhr

„Eincremen“ hatte sich spontan nach zwei Wochen konstantem Sonnenschein in Deutschland dann erledigt – Danke Merkel!

Nachdem ich alle vorbereiteten Taschen an das Fahrrad montiert hatte, war ich bereit, die Garage zu verlassen.

Der eingehende Anruf von Sascha, er sei bereits total nass, überraschte mich etwas, war es in Isernhagen doch noch trocken. Kurz vor unserem Treffpunkt am Mittellandkanal war ich allerdings ebenfalls schon recht feucht durch Isernhagen Süd gerollt. Alles wie immer.

Als Startpunkt hatten wir uns auf die Brücke Eulenkamp geeinigt. Im Schutz der über uns hängenden Asphaltdecke begrüßten wir uns leicht aufgeregt und motiviert um die Reise endlich zu beginnen. Die erste Etappe umfasste 136 km bis zum Campingplatz am Kronensee und war damit auch die längste Etappe der Tour.

Wir hatten uns vor ein paar Wochen zusammen gesetzt und den vorläufigen Entwurf der ersten Etappe abgeändert, sodass wir sehr viel am Mittellandkanal fahren können. Eine Kombination aus feinem und groben Schotter, zusammen mit leicht sandigem Waldboden und Radwegen – perfekt für unsere Fahrräder.

Das Höhenprofil war sehr entspannt:

So rollten wir also gen’ Westen. Nach ca. 15 Kilometern hatte Sascha nach einer Pinkelpause festgestellt, dass er seine FlipFlops verloren hat – ein guter Start besteht nicht aus Regen und Verlust der einzigen Schuhe für Amsterdam, aber fuck it, alles wird gut oder sehr gut.

FlipFlops got lost 🙁

Die erste kleine Pause
Langsam rollen wir neben der Tagesbaustelle in Richtung der großen Schaufensterscheibe und parken unsere Fahrräder an der überstrapazierten Aussenfassade.

Ding-Dong – komme gleich! Während draußen die Kollegen von „hallo, Glasfaser“ mit der Rüttelplatte lautstark den Boden verdichteten, schlürften wir nach kurzer Wartezeit unseren ersten stationären „Cafe to go“ irgendwo im Nirgendwo, etwas abseits des Kanals.

Und so fuhren wir und machten ab und an Pause

Der zweite Halt war schon Standard für unsere Reisen – unsere Routen führen oft an Stadträndern vorbei, in welchen in der Regel immer ein LIDL zu finden ist – das Saskia-Wasser ist #beste und der Markenriegel Lion ist auch im Sortiment, also: Win-Win-Win.
Und wenn Sascha lieb zu mir war, bringe ich ihm auch mal eine Apfelschorle mit.

Letzter Halt: Not LIDL again!
Was Jamie Oliver kann, können wir schon lange: Neben dem Zelt als Dach über dem Kopf, haben wir uns auch dieses Jahr dazu entschieden mobil zu kochen. Das Besteck/Topfset, Gaskartusche und Brenner befanden sich also wieder in einer meiner beiden Seitentaschen an meinem Gepäckträger. Ab ca. 20 km vor dem Tagesziel prüften wir kurz, wo die letzte Einkaufsmöglichkeit für unser Abendessen lag. Auch dieses Mal hatten wir einen LIDL samt neuen Freund gefunden – Jackpot!

Modellbau am Kronensee

„…nenene, morgen wird es erst voll, sucht Euch einfach einen Platz auf der Zeltwiese aus“ angekommen, gesagt, getan. Der angekündigte Modellbauclub reiste wohl erst den kommenden Tag an, so dass wir neben einem netten, älteren Pärchen und einer allein reisenden Frau freie Auswahl auf der Zeltwiese hatten.

Die erste Etappe war geschafft. Mit einer sehr entspannten Durchschnittsgeschwindigkeit von knapp 19 km/h waren wir also am Campingplatz Kronensee angekommen. Der Start war durchwachsen: Nass gestartet und FlipFlops verloren. Aber wenn wir gewusst hätten, dass dies schon fast (mit einer Ausnahme) die einzigen Probleme auf unserer Reise sein werden: Wir hätten uns noch mehr gefreut als eh schon.

Wie immer war angesagt: Zelt aufbauen, Bett vorbereiten, duschen und waschen, kochen, reden und ab ins Bett.

Wie kann man nur so positiv auf Fotos gucken? 🙂
Danke fürs Kochen, Sascha!
Vorspeise – Salat
Nudeln, Mais, Thunfisch, Oliven und Tomatensoße

Zum Frühstück nach einer sehr erholsamen Nacht kamen wir dann noch mit dem älteren Ehepaar ins Gespräch. Diese sind ebenfalls auf Radreise. Von Hamburg nach Östereich. „Wir haben ja Zeit….mal fahren wir 20 Kilometer, mal mehr, mal weniger…wie wir Lust haben.“
Beneidenswert.

Nach einer circa halben Stunde trennten sich unsere Wege wieder, wir wollten weiter.
Nach Amsterdam.

Lesen sie demnächst: Kaffee, Kärcher, Kennenlernen. Oder: „wollt ihr auch nen Bier?

Weiter Beitrag

Zurück Beitrag

Antworten

© 2024 Unterwegs

Thema von Anders Norén