Unterwegs

Niederlande #2: Cliffhänger am Bindeglied

Lass mich raten Mr. „Sebastian Fitzek“ für Arme aus dem Speckmantel Hannovers. Ihr seid gefahren, habt Pausen gemacht, wart viermal bei irgendeinem Scheiß-LIDL, habt Nudeln gekocht, euer Lager aufgebaut und seid ins Bett gegangen, richtig? Ist das alles an „Reisebericht“ oder gibt es auch bald mal wieder Qualitäts-Content?

Erwischt!? Zurecht!


Eine Reise spannend zu beschreiben, welche von den ganz vielen, kleinen aber auch großen Ereignissen, Nichtigkeiten oder gar Belanglosigkeiten lebt, die man in seinen Gedanken, auf oder neben dem Fahrrad erlebt, ist gar nicht mal so einfach. Ist doch die Summe aller dieser Bausteine ein wirklich wundervolles Erlebnis, so ist manches Puzzleteil sehr klein und schwer in mehr als wenige Sätze zu verpacken.

Auf einem Fahrradweg. Irgendwo in Westdeutschland.

Durch langsames Strecken der Knie verliert mein Allerwertester den Kontakt zur Kunstlederbeschichtung meines Sattels.
Noch ca. 30 Meter.
Weiter in den standardisierten Programmablauft vertieft, ändere ich die Neigung des Oberkörpers weiter in Richtung Vorderachse und stelle sicher, den Lenker mit beiden Händen fest umschlungen zu haben. Je einen Finger in Lauerstellung, um Notfalls die Geschwindigkeit drastisch und schnell von 31 km/h auf ein deutlich reduziertes Maß zu verändern.
Den Kopf langsam nach rechts neigend, rast unter mir, in meinem linken Augenwinkel, der glühende Asphalt vorbei, während über mir die saftig grünen Baumkronen eine Art Tunneleffekt produzieren.
3 Meter.
Endlich kann ich um die grüne Buchsbaumhecke in die breite Grundstückeinfahrt blicken und die Situation besser einschätzen. Weiter angespannt nähere ich mich den letzten Zentimetern. „Alles frei!“ rufe ich in die Luft, in der Hoffnung, meinen Mitstreiter im Windschatten zu erreichen.
Wieder Kontakt mit dem Sattel, unternimmt mein rechter Zeigefinger drei schnell aufeinander folgende Tip-Bewegungen und schaltet die Kettenschaltung weiter hoch. Mit konstanten Bewegungen halten die Beine und Füße das Tretlager am Laufen, als Sascha aus dem Windschatten auf meiner linken Seite aufschließt und zu mir herüberblickt. Was wolltest Du eben noch erzählen?
Vieles, Sascha.

Der Tag

Kommen wir nur kurz zu den harten Fakten der zweiten Etappe. Das Ziel lag in 91,47 km Entfernung – der Campingplatz Heidflach. Eigentlich wollte ich vor Antritt der Reise die Campingplätze gar nicht hinsichtlich einer nötigen Reservierung anschreiben. Platz für zwei Boys mit ihren „MSR-Elixir-1“ Einpersonen-Zelten wird doch jeder irgendwie haben. Arschlecken! Unabhängig davon, dass mit Umbau der ersten Route entlang des Kanals ein anderes, erstes Ziel ausgesucht wurde, hatte der eigentlich geplante und eine Woche vor Reisebeginn angeschriebene Campingplatz abgesagt. Das nahm ich zum Anlass, doch alle drei Plätze anzuschreiben, um uns zumindest anzukündigen. Sicher ist sicher – Kontrolle und so.

Was war noch nennenswertes passiert? Wir hatten spontan den Staub der Radwege am Mittellandkanal von unseren Bikes gespült.

Ich hatte erneut die hohe Investion einer Titan-Sattelstütze mit Carbon-Sattelaufnahme gefeiert (deutlich mehr Flex/Federung im Heckbereich).

Irgendwann waren wir angekommen.

Haben uns (für einen Euro = 4,5 Minuten Wasser) frisch gemacht.

Und den Rest des Abends mit Andre aus Verl verbracht. Einen Solo-Bikepacker, welchen wir auf dem Campingplatz („wollt ihr auch ’nen Bier?“) kennengerlernt hatten.

Und ab ins Bett.

Lesen Sie bald: Was zum Teufel!?

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